Artikelbeispiele

Wahn (engl. delusion; frz. délire).
 
1. Bereits das vorphilosophische Denken macht die wahnhafte Verkennung von Realität und die Befangenheit im W. zu einem Thema. Das homerische Epos reflektiert unter dem Begriff der Ate das komplexe Phänomen der Verblendung (s.d.). Auch in ihrer radikalen Kritik illusionärer Formen menschlicher Erwartung (ἐλπίς) schließt die frühgriechische Lyrik an dieses Thema an. Der menschliche Wirklichkeitsbezug zwischen Schein (s.d.) und Sein, Wähnen und Wissen, den die Tragödie in Szene setzt, bildet von Anfang an auch eine Herausforderung des philosophischen Denkens [1]. Die Erkenntnis der Wirklichkeit (s.d.) und die Unterscheidung zwischen W. und Wirklichkeit bezeichnet ein Grundproblem der Philosophie, das in ihrer Geschichte in vielfältigen Gestalten bis in die moderne Diskussion der ‘Realität der Außenwelt’ (s.d.) und des Solipsismus (s.d.) erörtert wird. Seine Relevanz zeigt sich gegenwärtig auch in der philosophischen Analyse des Status von Überzeugungen (Philosophy of Belief).
2. Das Phänomen ‘W’. steht seit jeher auch im Zentrum des psychopathologischen Interesses und gehört zu seinen komplexesten Gegenständen. Seine klinische und soziale Relevanz kann kaum überschätzt werden. Gleichwohl betonen zeitgenössische Forscher: «Delusions may also be among the most poorly understood phenomena in psychopathology» [2]. Die in immer neuen Ansätzen versuchte Interpretation und Definition der vielfältigen Erscheinungsformen des W. hat zweifellos einen «wesentlichen Anteil an der Begründung und Entwicklung einer mit wissenschaftlichem Anspruch auftretenden Psychopathologie» [3] gehabt.
Der W., wie die Halluzination (s.d.) ein Schlüsselmerkmal der Psychosen (s.d.), gehört zu den wichtigen Erscheinungen der Schizophrenie (s.d.); er kann jedoch bei fast allen psychopathologischen Zustandsbildern vorkommen. Eine Vielzahl von Hypothesen zu seiner Entstehung wird bis heute diskutiert. Leitende Fragen sind dabei, ob die Genese des W. durch eine ‘Störung’ auf der Ebene der Affekte, auf der Ebene der Wahrnehmung oder durch eine kognitive ‘Störung’ verursacht wird und welche Rolle die imaginativen Prozesse in der W.-Entstehung spielen. Da der psychotische W. eine Erkrankung der gesamten Person anzeigt, kommt es darauf an, das Zusammenspiel aller bedingenden Faktoren aufzuklären. Vielschichtige psychodynamische Untersuchungen zur sog. W.-Entwicklung liegen seit den 1920er Jahren vor [4].
3. Die Herausbildung der psychopathologischen Begrifflichkeit ist komplex und zeigt Divergenzen zwischen den Sprachen und Unschärfen in der terminologischen Abgrenzung. Als Oberbegriff ist ‹W.› zudem ein Ausdruck für inhaltlich ganz heterogene Erscheinungen. Die romanischen Sprachen greifen, wenn sie das Phänomen benennen, auf das Lateinische zurück und sprechen von ‹délire› (lat. ‹delirare› meint ursprünglich ‘von der geraden Linie abweichen’). Im anglo-amerikanischen Sprachraum wird – ebenfalls im Rückgriff auf das Lateinische – ‹delusion› terminologisch, «from the start, an intellectualistic concept» [5]. Die Termini sind nicht einfach substituierbar.
Der deutsche Ausdruck ‹W.›, ursprünglich in der Bedeutung ‘Verlangen’ oder ‘Erwartung’, gehört seit dem Ende des 18. Jh. auch zum psychopathologischen Wortschatz [6]. In der zeitgenössischen Philosophie meint ‹W.› nun «eine leere Einbildung; oder ein Urtheil, daß keinen Grund hat», eine «leere Meinung (vana opinio)» [7]. Wirksam entfaltet F. SCHILLER die negative Bedeutung, die der Ausdruck bekommen hat: «Jedoch das Schrecklichste der Schrecken / Das ist der Mensch in seinem W.» [8]. Im Prozeß der Negativierung, den der deutsche Ausdruck durchmacht, rückt er nahe an den Begriff ‹Wahnsinn› (s.d.) heran. Der W. wird zur markanten Erscheinungsform des Wahnsinns. K. W. IDELER, ein Vertreter der romantischen Psychiatrie, erklärt 1838, ‹W.› sei im gewöhnlichen Sprachgebrauch «die Bezeichnung jeder Verstandesschwäche, Sinnenbethörung und Gemüthszerrüttung, wodurch der Mensch als Vernunftwesen seiner heiligsten Rechte verlustig geht» [9]. Im Gegensatz zum gesunden W. (etwa der Künstler und Dichter) [10] sei für den «krankhaften» W. charakteristisch, daß er «sich ... des Bewußtseins dergestalt bemächtigt, sich so sehr in der Axe des geistigen Auges» feststellt, «daß er den Sehkreis desselben beherrscht, dem Verstande der Mittelpunkt alles Denkens, der Maaßstab aller Urtheile wird, und dadurch den Bethörten zu unbesonnenen Handlungen fortreißt» [11]. Erst in der Folgezeit – so bei W. GRIESINGER [12] – wird der W.-Begriff endgültig auf den psychopathologischen Sachverhalt beschränkt.
    Das W.-Problem wird im 19. Jh. zunächst unter den ‹Monomanien›, dann bis weit ins 20. Jh. hinein unter dem Begriff ‹Paranoia› abgehandelt [13]. ‹Monomanie› meint einen umschriebenen W. (délire), vergleichbar der «fixen Idee» [14], bei weitgehend erhaltenem Verstand [15], ‹Paranoia›, in der verengten Bedeutung, die E. KRAEPELIN dem Terminus ab 1893 gibt, ein «unerschütterliches Wahnsystem», das mit «vollkommener Erhaltung der Klarheit und Ordnung im Denken, Wollen und Handeln einhergeht» [16]. Als «Cardinalsymptom der Paranoia» macht bereits C. NEISSER eine «gesteigerte» bzw. «krankhafte Eigenbeziehung» verantwortlich [17]. Klinisch wird seit dem 19. Jh. zwischen der Erscheinungsform des W. und seinem Inhalt differenziert.
4. Wichtig für die W.-Forschung im 20. Jh. werden besonders S. FREUD und K. JASPERS. FREUD entdeckt früh den relevanten Abwehrmechanismus der Projektion (s.d.) und das Phänomen der Bewußtseinsspaltung. Die «Wahnvorstellung» stehe «in der Psychiatrie neben der Zwangsvorstellung als rein intellektuelle Störung», sei aber die Folge von Affektstörungen und verdanke «ihre Stärke einem psychologischen Vorgang». Die Paranoia habe «die Absicht, eine dem Ich unerträgliche Vorstellung dadurch abzuwehren, daß deren Tatbestand in die Außenwelt projiziert wird» [18]. Was das Phänomen der W.-Gewißheit betrifft, so urteilt Freud 1895: «In allen Fällen wird die Wahnidee gehalten mit derselben Energie, mit welcher eine andere unerträglich peinliche Idee vom Ich abgewehrt wird. Sie lieben also den W. wie sich selbst. Das ist das Geheimnis» [19]. In der Weiterführung der Überlegungen wird die «Wahnbildung» über ihre Schutzfunktion hinaus zugleich als ein «Heilungsversuch», als «Rekonstruktion» [20] des psychotischen Ich gedeutet. Indem Freud die Psychose als Folge einer inneren Katastrophe verstehen lernt, kann er das rekonstruktive Element der W.-Bildung präzisieren: Es «haben uns einige Analysen gelehrt, daß der W. wie ein aufgesetzter Fleck dort gefunden wird, wo ursprünglich ein Einriß in der Beziehung des Ichs zur Außenwelt entstanden war» [21].
Philosophiekritisch gibt Freud zu bedenken, daß «die Wahnbildungen der Paranoiker ... eine unerwünschte äußere Ähnlichkeit und innere Verwandtschaft mit den Systemen unserer Philosophen» zeigten [22]. Religionskritisch entwickelt er den Begriff des «Massenwahns»: «Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, daß eine größere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch unternimmt, sich Glücksversicherung und Leidensschutz durch wahnhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen. Den W. erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt» [23].
5. An die Forschung des 19. Jh. eng anschließend, prägt JASPERS weithin mit seiner ‹Psychopathologie› [24] die psychiatrische Konzeptualisierung des Phänomens. «Der W. galt durch alle Zeiten als das Grundphänomen der Verrücktheit»; er sei «ein Urphänomen» [25]. ‹W.› heißt für Jaspers «eine Verwandlung in dem umfassenden (sich sekundär in Realitätsurteilen kundgebenden) Realitätsbewußtsein». Die kognitive Dimension heraushebend, stellt er fest: «Nur wo gedacht und geurteilt wird, kann ein W. entstehen. Insofern nennt man Wahnideen die pathologisch verfälschten Urteile» [26]. Diese weisen «folgende äußere Merkmale in einem gewissen hohen – nicht scharf begrenzten Maße» auf: «1. Die außergewöhnliche Überzeugung, mit der an ihnen festgehalten wird, die unvergleichliche subjektive Gewißheit. 2. Die Unbeeinflußbarkeit durch Erfahrung und durch zwingende Schlüsse. 3. Die Unmöglichkeit des Inhalts» [27].
Bis in die gegenwärtige psychiatrische Diagnostik bleiben die Jasperschen Kriterien maßgeblich und brauchbar (für die Diagnose ist besonders die Art, wie die Urteile vorgebracht und aufrechterhalten werden, relevant), wenn sie auch in theoretischer Hinsicht vielfach problematisiert, überarbeitet und erweitert werden [28]. Beim Versuch der Präzisierung des dritten Kriteriums etwa stellt sich die Frage, ob der Inhalt des W. unrichtig ist, ob er nicht mit der Realität in Einklang steht oder ob er, was nicht zuletzt die transkulturelle Psychiatrie zu einem Thema der kritischen Reflexion macht [29], von der geltenden Norm abweicht. Die terminologische Abgrenzung des pathologischen W. von ‘hartnäckigen’ Formen des Irrtums (s.d.) und der Illusion (s.d.) wie von basalen Überzeugungen (engl. belief), an denen auch ‘Gesunde’ hängen und die sie nur sehr schwer aufgeben können, selbst wenn sie sich als irrig erweisen [30], bereitet aber Schwierigkeiten. Bereits E. BLEULER wendet ein: «W. ist eine irrtümliche, unkorrigierbare Überzeugung – aber lange nicht jede irrtümliche, unkorrigierbare Überzeugung ist ein W. ... Wie man sieht, ist der Unterschied von Wahnideen zu unbeweisbaren Überzeugungen des Gesunden kein absoluter» [31]. Überzeugungen können demnach mehr oder weniger wahnhaft sein [32]. Wo sie axiomatisch wie Wissen behandelt werden, auch wenn sie der von anderen wahrgenommenen Realität widersprechen, spricht man von ‹W.›.
Wie stark die Konzeptualisierung des W. als einer Störung des Urteilens bzw. Denkens [33] die Forschung bestimmt, zeigt sich noch in gegenwärtigen, eher pragmatisch umschreibenden Explikationsversuchen. Die ‹American Psychiatric Association› faßt, eine Dichotomie zwischen falschen und richtigen Überzeugungen aufmachend, «delusion» als «false belief based on incorrect inferences about external reality» [34]. Die ‹Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie› bestimmt ‹W.› als «Fehlbeurteilung der Realität, die mit apriorischer Evidenz (erfahrungsunabhängiger Gewißheit) auftritt und an der mit subjektiver Gewißheit festgehalten wird, auch wenn sie in Widerspruch zur Wirklichkeit und zur Erfahrung der gesunden Mitmenschen sowie zu ihrem kollektiven Meinen und Glauben steht» [35].
6. Die W.-Forschung entwickelt sich seit den 1950er Jahren besonders an der Syndromatik des schizophrenen W. [36]. Weiterführende Anregungen erhält sie durch die «Wahnwelten» untersuchende phänomenologische und anthropologische Psychiatrie [37]. Schon JASPERS hatte betont, daß der W. «sich im ganzen erst als der Tatbestand» zeige, «der dem Träger eine Welt gestaltet» [38]. Auch die Jasperschen Kriterien rücken dabei neu in den Blick: Der Schizophrene sei nicht deswegen «unfähig, seinen W. zu korrigieren, weil es ihm an reflektiver Urteilskraft, einen Irrtum zu beseitigen, gebricht, sondern weil sein gelebtes Leben selbst, die Struktur seiner Welt verwandelt ist» [39]. Der späte L. BINSWANGER untersucht die Konstitutionsweisen psychotischer Subjektivität und Welterfahrung im Anschluß an M. Heidegger, E. Husserl und W. Szilasi. Der Ursprung wahnhafter Daseinsveränderung wird in tieferen Schichten der Konstituierung des Erfahrungsvollzugs gesucht [40]. Welche Bedeutung der Einschränkung der «Perspektivenbeweglichkeit» und der Fähigkeit zum «Perspektivenaustausch» für ein Verständnis wahnhaften Erlebens zukommt, stellt W. BLANKENBURG im Anschluß an E. MINKOWSKI heraus [41]. Die mit dem W. einhergehende Störung der zwischenmenschlichen Begegnung faßt die interaktionale Psychiatrie als «Verlust an Gegenseitigkeit» [42].
7. Zu einem erweiterten Verständnis psychotischer Denkweisen trägt auch die nachfreudsche Psychoanalyse bei. Das Mißlingen des psychischen «Containments» wird in der Kleinianischen Psychoanalyse als Grundlage wahnhafter Realitätsstörungen herausgearbeitet. Die projektiven Identifikationen und Spaltungen, die als Abwehrmechanismen unerträglicher Erfahrungen eingesetzt werden, führen zu Identitätskonfusionen und Fragmentierungen des psychischen Apparates. Daß der Psychotiker die Wahrnehmungsfähigkeit des Ich und damit die Matrix des Denkens destruktiv angreift, zeigt W. R. BION [43].
Auf der exzessiven Fragmentierung der Psyche beruhen auch tiefgreifende Symbolisierungsstörungen wie die psychotische symbolische Gleichsetzung, die den Unterschied zwischen Symbol und symbolisierter Sache aufhebt [44]. Diese Symbolisierungsstörung demonstriert die mangelnde Fähigkeit, zwischen innerer und äußerer Realität zu unterscheiden. Auf die Prozesse der Unterbrechung und Entstellung der psychischen Bedeutungsorganisation hatte auch der französische Psychoanalytiker J. LACAN die Aufmerksamkeit gerichtet. Das «psychotische Phänomen» sei nie in das «System der Symbolisierung» eingetreten. Beim Einbruch des W. erscheine, so Lacan, im Realen wieder, was nicht symbolisiert sei [45]. Die jüngere empirische W.-Forschung untersucht besonders die Denk- und Symbolisierungsstörungen anzeigenden Phänomene der «overinclusion» und des «Konkretismus» [46].
8. Neurologische und psychopathologische Erkenntnisse will die neuropsychologische und neuropsychiatrische W.-Forschung miteinander vermitteln [47]. Thematisiert wird auch hier besonders die Entstehung und die mangelnde Revisionsfähigkeit von W.-Bildungen. Untersucht wird, inwiefern der W.-Genese veränderte Wahrnehmungen zugrunde liegen [48], die auf Schädigungen oder funktionelle Störungen des Gehirns zurückzuführen sind. Am Beispiel der nach dem französischen Psychologen J. M. J. CAPGRAS unter dem Titel ‹L'illusion des ‘sosies’› geführten W.-Vorstellung, eine nahestehende Person sei durch einen betrügerischen Doppelgänger ersetzt worden, erläutert A. YOUNG die Konzeption, wonach pathologische Überzeugungen das Ergebnis rationalisierender Versuche der Betroffenen darstellen, sich eine veränderte Wahrnehmung ihrer selbst, anderer Personen oder der Umwelt zu erklären [49]. In der Perspektive der neueren Hirnforschung stellt sich der chronische W. als «Deformation in kortikalen kartenähnlichen Repräsentationssystemen» [50] dar.
Die kontrovers geführte psychopathologische Diskussion des W. ist keineswegs abgeschlossen. Gerade die offenen Fragen sind heute für die Humanwissenschaften insgesamt von unbestreitbarer Relevanz.

Anmerkungen
 
[1] Vgl. etwa: HERAKLIT: VS 22, B 34. 46; zur Verwechslung von Schattenbildern mit der Wirklichkeit und zum Gefangensein im Schein vgl. das sog. Höhlengleichnis: PLATON: Resp. VII, 514 aff.
 
[2] Vgl. TH. F. OLTMANNS/B. A. MAHER: Pref., in: TH. F. OLTMANNS/B. A. MAHER (Hg.): Delusional beliefs (New York u.a. 1988) IX.
 
[3] W. JANZARIK: Wie ist W. nach psychopatholog. Verständnis möglich? Nervenarzt 70 (1999) 981–986, 981.
 
[4] Vgl. E. KRETSCHMER: Der sensitive Beziehungswahn (1927,
31950).
 
[5] G. E. BERRIOS: Delusions as ‘wrong beliefs’: a conceptual history, in: A. SIMS (Hg.): Delusions and awareness of reality. Proc. 4
th Leeds Psychopathol. Symposion. Brit. J. Psychiatry, Suppl. 14/159 (1991) 6–13; zum Bedeutungsspektrum von ‹délire› vgl. auch: J. RIGOLI: Lire le délire: aliénisme, rhétorique et litt. en France au XIXe s. (Paris 2001).
 
[6] Vgl. auch: Art. ‹Wahn II. 8.›. GRIMM 13 (1922) 638; H. GÖTZ: Leitwörter des Minnesangs. Abh. Sächs. Akad. Wiss. Leipzig 49/1 (1957) 133–146; zum Begriffswandel auch: G. HOFER: Zum Terminus ‹W.›. Fortschritte der Neurologie, Psychiatrie und ihrer Grenzgebiete 21 (1953) 93–100.
 
[7] Vgl. J. G. WALCH: Philos. Lexicon 2 (
41775) 1441 (‹Wahn›); W. T. KRUG: Allg. Handwb. der philos. Wiss. (21832–38) 4, 452f. (‹Wahn›).
 
[8] F. SCHILLER: Das Lied von der Glocke (1800). Nat.ausg. 2/I, hg. N. OELLERS (1983) 237.
 
[9] K. W. IDELER: Grundriß der Seelenheilkunde § 133 (1835–38) 2, 426.
 
[10] Vgl. auch: J. C. HOFFBAUER: Unters. über die Krankheiten der Seele 3 (1807) 54.
 
[11] IDELER, a.O. [9] 2, 428.
 
[12] W. GRIESINGER: Die Pathologie und Therapie der psych. Krankheiten §§ 44ff. (1845,
21861) 71ff.; Vortrag zur Eröffnung der psychiatr. Klinik zu Berlin (1867), in: Ges. Abh. 1 (1968) 127–151; zu den «Primordial-Delirien»: a.O. 132ff.
 
[13] Vgl. AISCHYLOS: Septem c. Thebas 756; M. SCHMIDT-DEGENHARD: Zur Problemgeschichte und Psychopathologie der Paranoia. Fortschr. Neurol. Psychiatrie 66 (1998) 313–325; U. H. PETERS: Zur Entwicklung des Paranoia-Begriffs, in: H. FALLER/H. WEISS (Hg.): Angst, Zwang, Wahn. Festschr. H. Lang (2000) 113–122.
 
[14] Vgl. etwa: F. W. HAGEN: Fixe Ideen, in: Studien auf dem Gebiete der ärztl. Seelenkunde (1870) 39–85.
 
[15] Vgl. J.-E.-D. ESQUIROL: Des maladies mentales (Brüssel 1838); Allg. und specielle Pathologie und Therapie der Seelenstörungen, bearb. K. CH. HILLE (1827); L. SNELL: Ueber Monomanie als primäre Form der Geistesstörung. Allg. Z. für Psychiatrie und psychiatr.-gerichtl. Medizin 22 (1865) 368–381; W. LEIBBRAND/A. WETTLEY: Der Wahnsinn. Gesch. der abendl. Psychopathologie (1961) 431–438. 571–586.
 
[16] E. KRAEPELIN: Psychiatrie IV/III (
81915) 1713.
 
[17] Vgl. C. NEISSER: Erört. über die Paranoia vom klin. Standpunkte (1891). Centralblatt für Nervenheilkunde und Psychiatrie 15 (1892) 1–20, 3f.
 
[18] S. FREUD: Manuskript H: Paranoia, Beilage zum Br. vom 24. Jan. 1895 an W. Fließ, in: M. BONAPARTE u.a. (Hg.): Aus den Anfängen der Psychoanalyse 1887–1902. Briefe an W. Fließ (1950) 97–103, 97. 99; eine affektive Genese des W. hatte bereits F. W. HAGEN angedeutet: Studien auf dem Gebiete der ärztl. Seelenheilkunde (1870) 59ff.; vgl. G. SPECHT: Über den patholog. Affect in der chronischen Paranoia. Ein Beitrag zur Lehre von der W.-Entwicklung (1901).
 
[19] a.O. 101.
 
[20] Über einen autobiogr. beschriebenen Fall von Paranoia (Dementia paranoides) (1911). Ges. Werke [GW], hg. A. FREUD u.a. (London 1940–1987) 8, 308; vgl. H. FELDMANN/M. SCHMIDT-DEGENHARD: Strukturale Affinitäten des Unverständlichen im schizophrenen Wahn. Nervenarzt 68 (1997) 226–230.
 
[21] Neurose und Psychose (1924). GW 13, 389; vgl. J. STEINER: Psychic retreats (London 1993) 64–73; dtsch.: Orte des seelischen Rückzugs (
21999) 101–112.
 
[22] Vorrede, zu Th. Reik, Probleme der Religionspsychologie 1: Das Ritual (1919). GW 12, 327.
 
[23] Das Unbehagen in der Kultur (1930). GW 14, 440.
 
[24] K. JASPERS: Allg. Psychopathologie (1913,
51948).
 
[25] a.O. 79.
 
[26] 80.
 
[27] a.O.; vgl. noch: P. MULLEN: Phenomenology of disordered mental function, in: P. HILL/R. MURRAY/G. THORLEY (Hg.): Essentials of post-graduate psychiatry (London 1979) 25–54, 36.
 
[28] Vgl. TH. F. OLTMANNS: Approaches to the definition and study of delusions, in: OLTMANNS/MAHER (Hg.), a.O. [2] 3–12; P. A. GARETY/D. R. HEMSLEY: Delusions. Investigations into the psychology of delusional reasoning (Oxford 1994) 1–17; A. MUNRO: Delusional disorder (Cambridge u.a. 1999) 32f.
 
[29] Vgl. H. B. M. MURPHY: Kulturelle Aspekte des W., in: W. M. PFEIFFER/W. SCHOENE (Hg.): Psychopathologie im Kulturvergleich (1980) 85–101.
 
[30] Vgl. R. BRITTON: Belief and imagination (London 1998) bes. 8–18.
 
[31] E. BLEULER: Lb. der Psychiatrie (1916,
151983) 51f.
 
[32] Zur Explikation dieses Kontinuums vgl. auch: J. S. STRAUSS: Hallucinations and delusions as points on continua function. Arch. general Psychiatry 20 (1969) 581–586.
 
[33] Vgl. auch: K. SCHNEIDER: Klin. Psychopathologie (61962) 99. 105ff.
 
[34] Diagnostic and statistical manual of mental disorders. Amer. Psychiatric Ass. (DSM-IV) (Washington 1994) 765; zur Kritik vgl. bereits: A. MUNRO: Paranoid (delusional) disorders: DSM-III-R and beyond. Comprehensive Psychiatry 28 (1987) 35–39.
 
[35] Das AMDP-System: Manual zur Dokumentation psychiatr. Befunde, hg. Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP) (
61997) 86.
 
[36] Vgl. zum gestaltanalytischen Ansatz: K. CONRAD: Die beginnende Schizophrenie (1958); P. MATUSSEK: Wahrnehmung, Halluzination und W. Psychiatrie der Gegenwart 1 (1963) 63ff.; zum topologischen Ansatz: K. P. KISKER: Der Erlebniswandel des Schizophrenen (1960); zum strukturdynamischen Ansatz: W. JANZARIK: Der W. in strukturdynam. Sicht. Studium Generale 20 (1967) 628–638; zum Problem der fixierten W.-Bildungen vgl. auch: P. BERNER: Das paranoische Syndrom (1965).
 
[37] Vgl. J. C. ZUTT/C. KULENKAMPFF (Hg.): Das paranoide Syndrom in anthropolog. Sicht (1958); E. STRAUS/J. ZUTT (Hg.): Die W.-Welten (1963); W. BLANKENBURG: Phänomenolog.-anthropolog. Aspekte von W. und Halluzination, in: H. M. OLBRICH (Hg.): Halluzination und W. (1987) 77–101; Art.
‹Medizin IV. 5.›. Hist. Wb. Philos. 5 (1980) 999–1002.
 
[38] JASPERS, a.O. [24] 165.
 
[39] C. KULENKAMPFF: Antwort auf die krit. Bem. K. Conrads zur Arbeit über das «Problem der abnormen Krise», in: STRAUS/ZUTT (Hg.), a.O. [37] 302–311, 304.
 
[40] L. BINSWANGER: Wahn. Beitr. zu seiner phänomenolog. und daseinsanalyt. Erforschung (1965).
 
[41] Vgl. W. BLANKENBURG (Hg.): W. und Perspektivität (1991); in der Tradition, die in der Störung der Intentionalität die Grundstörung schizophrener Psychosen sieht, steht auch: TH. FUCHS: Psychopathologie von Leib und Raum (2000) 123ff.
 
[42] Vgl. J. GLATZEL: Das psychisch Abnorme (1977) 132–146; Die paranoide Eigenbeziehung aus der Perspektive der interaktionalen Psychopathologie. Nervenarzt 52 (1981) 147–152.
 
[43] Vgl. W. R. BION: Differentiation of the psychotic from the non-psychotic personalities. Int. J. Psycho-Analysis 38 (1957) 266–275; Attacks on linking, a.O. 40 (1959) 308–315.
 
[44] Vgl. H. SEGAL: Notes on symbol formation: Int. J. Psycho-Analysis 38 (1957) 391–397; The work of Hanna Segal. A Kleinian approach to clinical practice (New York 1981); dtsch.: H. SEGAL: W.-Vorstellung und künstl. Kreativität (1992).
 
[45] Vgl. J. LACAN: Le séminaire 3 (1955–56) (Paris 1981) 25ff. 99ff.; dtsch.: Die Psychosen (1997) 24ff. 103ff.; vgl. De la psychose paranoïaque dans ses rapports avec la personnalité (Paris 1932); dtsch.: Über die paranoische Psychose ..., hg. P. ENGELMANN (Wien 2002).
 
[46] Vgl. etwa: R. M. HOLM-HADULLA/F. HAUG: Die Interpretation von Sprichwörtern als klin. Methode zur Erfassung schizophrener Denk–, Sprach- und Symbolisierungsstörungen. Nervenarzt 55 (1984) 496–503.
 
[47] Vgl. M. DAVIES/M. COLTHEART: Introduction: Pathologies of belief. Mind Language 15 (2000) 1–46.
 
[48] Zur modernen Explikation der älteren Hypothese vgl. B. A. MAHER: Delusional thinking and perceptual disorder. J. Individual Psychology 30 (1974) 98–113; Delusions. Contemporary etiolog. hypotheses. Psychiatric Annals 22 (1992) 260–268.
 
[49] A. YOUNG: Wondrous strange: The neuropsychology of abnormal beliefs. Mind Language 15 (2000) 47–73; vgl. T. STONE/A. YOUNG: Delusions and brain injury: The philosophy and psychology of belief, a.O. 12 (1997) 327–364.
 
[50] M. SPITZER: Geist im Netz (2000) 311–316, 313.

Literaturhinweise
 
G. HOFER s. Anm. [6]. – J. C. ZUTT/C. KULENKAMPFF s. Anm. [37]. – W. W. MEISSNER: The paranoid process (New York/London 1978). – T. F. OLTMANNS/B. A. MAHER (Hg.) s. Anm. [2]. – M. SPITZER: Was ist Wahn (1989); On defining delusions. Comprehensive Psychiatry 31 (1990) 377–397. – G. E. BERRIOS s. Anm. [5]. – W. BLANKENBURG s. Anm. [41]; Art. ‹Wahn›, in: R. BATTEGAY u.a. (Hg.): Handwb. der Psychiatrie (
21992) 648–661. – P. A. GARETY/D. R. HEMSLEY s. Anm. [28]. – H. LANG/H. WEISS: Zur Struktur und Psychodynamik des Wahns. Z. Klin. Psychologie Psychopathol. Psychotherapie 42 (1994) 118–127. – M. DAVIES/M. COLTHEART s. Anm. [47]. – TH. FUCHS: Wahnkrankheiten, in: H. HELMCHEN u.a. (Hg.): Psychiatrie der Gegenwart 5 (2000) 597–617. – M. KAUFMANN (Hg.): Wahn und Wirklichkeit – Multiple Realitäten (Bern 2003).

H. HÜHN

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